Wechselkennzeichen: Einführung in Deutschland wohl erst Sommer 2011

Nun wird das KFZ Wechselkennzeichen in Deutschland wohl doch später eingeführt werden als gedacht. Voraussichtlich wird die bisherige Planung nach den Wünschen von Finanzminister Schäuble abgeändert. Die Einführung des Wechselkennzeichens könnte einer aktuellen Studie zufolge einen Aufschwung für das KFZ-Gewerbe bringen – in ökonomischer und ökologischer Hinsicht.

Ursprünglich war das Wechselkennzeichen in Deutschland von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) für den 1. Januar 2011 angekündigt worden. Verschiedene Experten waren ohnehin von einem verspäteten Start des variablen Nummernschildes ausgegangen. Jetzt wird der Termin aber aller Voraussicht nach endgültig bis zum Sommer 2011 verschoben. Der Grund ist eine Änderung der ursprünglichen Pläne.

Denn anders als von den Fürsprechern des austauschbaren Nummernschildes erwartet, will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) an der vollen KFZ Steuer für jedes über das KFZ Wechselkennzeichen versicherte Fahrzeug festhalten. Ansonsten befürchtet Schäuble einen enormen Ausfall an Steuereinnahmen. Diese belaufen sich allein durch die KFZ Steuer auf etwa neun Milliarden Euro. Zuletzt hatte sogar der bisher größte Gegner vom KFZ Wechselkennzeichen, die Versicherungswirtschaft, die Bereitschaft zur Kooperation signalisiert.

Vor allem der Automobilhandel und das KFZ Handwerk würden aus der Einführung des Wechselkennzeichens Profit schlagen. Dies ergab eine Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA). Die deutschen Autobauer müsste sich eine steigende Produktion jedoch mit ihren ausländischen Konkurrenten teilen, der positive Effekt wäre für sie deutlich geringer. Willi Diez, der Leiter des IFA, prognostiziert eine zusätzliche Nachfrage von 80.000 bis 90.000 Fahrzeugen. Im Mai rechnete Diez noch mit über einer Million mehr verkaufter Fahrzeuge.

Eine exakte Prognose bezüglich eines gesteigerten Verkaufs von Automobilen aufgrund eines Wechselkennzeichens ist laut Diez schwer abzugeben. So muss beachtet werden, dass der Kostenvorteil aufgrund des angedachten Wegfalls der KFZ Steuer eher gering ausfällt, da diese nur rund fünf Prozent der gesamten Unterhaltungskosten für ein Fahrzeug ausmacht.

Sollte sich Finanzminister Schäuble durchsetzen, ist der Steuervorteil durch das Wechselkennzeichen ohnehin irrelevant. Dies wiederum könnte sich ebenfalls auf den Finanzhaushalt der Bundesrepublik auswirken. Nach Ansicht von Diez, wirkt sich die Einführung des Wechselkennzeichens in Deutschland nicht zuletzt durch den geplanten Steuervorteil „psychologisch stimulierend“ auf die Kaufbereitschaft der Verbraucher aus. Eine höhere Verkaufszahl würde über die Mehrwertsteuer für weitere Einnahmen sorgen. Zusätzlich hätte dies einen Schub für das Reparatur- und Wartungsgeschäft zur Folge.